Liebe BGC Mitglieder

 

In diesem Jahr fanden die Deutsche Meisterschaft der behinderten Golfer und Golferinnen auf der wunderschönen und anspruchsvollen Anlage des Rittergut Rothenbergerhaus statt.

 

http://www.golf-ohne-grenzen.de

 

Der Golfclub liegt in der Nähe von Duderstadt bzw. Göttingen, genau an  der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

 

Für alle Teilnehmer war dies hervorragend organisierte Turnier ein echtes Erlebnis. Der Platz war in einem hervorragenden Zustand. Grüns und Fairways waren top !!

 

Weitere Infos und Ergebnisse finden Sie auf der Seite des DGV unter : www.golf.de 

Wilhelm Page , neuer Deutscher Meister im Rollstuhlgolf Wilhelm Page , neuer Deutscher Meister im Rollstuhlgolf

Hier ein Erlebnissbericht eines Teilnehmers

Deutsche Meisterschaft der Golfer mit Behinderung

13 und 14. August 2011, Duderstadt

Erlebnisbericht eines fast blinden Golfers aus Berlin

 

Wow – Rittergut Rothenberger Haus – wir hätten es wissen müssen. Ritter wohnten immer auf den Bergen. Für uns Berliner eine völlig ungewohnte Situation. Die Wasserwaage hatten die Greenkeeper wohl vergessen.

 

Donnerstag – Einspielrunde

Kluge Entscheidung, nicht 18 Löcher zu Fuß zu gehen, sondern ausnahmsweise mal ein Card zu nehmen. Kann das denn sein, dass ein Grün so ärgerlich wird, dass es meinen Ball am Loch vorbei aufs Vorgrün befördert, obwohl ich den Ball kaum angetippt hatte? Sorry, aber wenn ein Greenkeeper ein Golfloch auf die Spitze eines Hügels setzt, dann hast du nur die eine Chance – treffen oder nicht. Der zweite Versuch ist dann weiter weg als der erste!! Es sollte sich erst bei der Siegerehrung herausstellen, dass der DGV die Fahnen gesteckt hatte. Die hätten wir mitspielen lassen sollen ;-). Wir beschließen, besonnen an diesen Platz heran zu gehen. Wenigstens in der Players Night ist alles wie gewohnt; Willi ist lustig und Bettina hat noch vieles im Hintergrund zu regeln; Christian ist nach außen zumindest entspannt. Jürgen bringt einen hübschen Caddie mit, aber er lässt mich ihn nicht befühlen zum Kennenlernen. Jürgen – wo bleibt die Freundschaft ;-).

 

11.50 h, Tee 1, wie immer sind alle nervös. Der eine zeigt‘s; andere nicht. Blinde sind da klar im Vorteil; wir sehen die Zuschauer nicht. Wow – 22 SF auf den ersten 9 und das war noch nicht unser bestes Golf. Buff  – Einbruch auf den zweiten Neun. Wir beruhigen uns damit, dass wir immer dann unser bestes Golf gezeigt haben, wenn Zuschauer da waren. Wer mich nicht kennt, dem sage ich es jetzt klar und deutlich – ich sehe kaum noch was und schon gar keine Zuschauer – und – es ist mir ein Bedürfnis, vor „Nichtbehinderten“ zu zeigen, dass wir Behinderten gutes Golf spielen. Ob es mir persönlich gelingt oder einem aus dem Flight; oder besser allen, das ist unwichtig. Es gelang mir, immer dann gutes Golf zu zeigen, wenn Leute da waren. Nur das hat mich über die Runde gerettet. Aber wir wollten viel mehr. Na ja, 31 SF, offensichtlich ging es anderen ähnlich – zeigte das Leaderboard. Der Abend klingt ruhig aus beim Essen; wir lernen einen unserer Flightpartner von morgen kennen. Mir passiert der alte Fehler: ich stelle mich auf den Mann ein und bewundere seine hübsche Frau, die ihn wohl begleitet. Ich freue mich auf den nächsten Tag.

 

09.30, Tee 10 – mein Flightpartner ist die Frau und nicht der Mann. Ich sehe in meinem Restgesichtsfeld wohl eine der attraktivsten Beinprothesen und bin wieder mal beeindruckt. Aber - von nun an ging’s bergab mit meinem Spiel. Ich schiebe es bestimmt nicht aufs Wetter und auch nicht auf den Flight. Es gibt einen Punkt, da könntest du heulen. Da alle anderen so mehr oder weniger in ihren persönlichen Tiefs steckten, wurde es immer schwieriger, noch einen graden Ball zu schlagen. Auch meine Verantwortung für meinen Caddie spürte ich. Er macht das ja nicht zu seinem, sondern zu meinem Vergnügen. Mehr als ein Wochenende opferte er für mich. Er leidet maßlos. „Pack‘ alles ein und geh‘ nach Hause“, so war mir, als ich eingepackt in Gummi unter einem Regenschirm stand. Ich war an der Schwelle zum Aufgeben. Aus der Klarheit, heute nichts gewonnen zu haben, kam aber nach zwei guten Schlägen hintereinander die Lockerheit wieder und – wir spielten gutes Golf. Ein Schiedsrichter begleitete uns an den letzten Löchern um das Tempo zu erhöhen und – siehe da -  unser etwas geltungsbedürftiger Flightpartner verzichtete auf die überflüssigen Putz- und sonstigen Darstellungen und wir waren deutlich schneller unterwegs.

 

Spruch des Tages:

„Was mache ich denn jetzt? Der Ball liegt zwar auf dem Fairway, aber hier ist kein Rasen“.  Antwort von mir: „Kauf‘ dir Rasensamen. Bis du fertig bist mit deinen Vorbereitungen, ist das Gras wieder gewachsen“.

 

Diese – und viele anderen Erlebnisse bleiben uns in Erinnerung. Das Gedächtnis hat die Gnade, die unangenehmen Dinge zu unterdrücken und die schönen zu verschönern. Für mich persönlich, und auch im Gespräch mit vielen anderen, war klar; der Gastgeberclub, besonders mit seinem Präsidenten, war die richtige Wahl. Bei mir lag es nicht am Platz, dass ich mein HC nicht spielen konnte; es lag nur an meiner fehlenden Konzentration oder Konstanz.

 

Ich bin dankbar dafür, dass solche Veranstaltungen möglich sind und arbeite weiterhin an mir selbst. Der BGC hat es möglich gemacht, eine solche Vielzahl von Golfern zu vereinigen und der DGV wird es hoffentlich auch bald mit Selbstverständlichkeit erwähnen. Ohne den BGC gäb es diese Deutsche Meisterschaft nicht – das ist Fakt.

 

B. Walsch 


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